Chronik des Yachthafen Seelze

Es begab sich zu der Zeit, dass die Stadt Seelze beschloss, sich wie andere deutsche Städte hoffnungslos zu überschulden. Ein neues Freibad (und ein Hallenbad) sollte gebaut werden, das alte Freibad am Mittellandkanal schien nicht mehr zeitgemäß und sollte geschlossen werden. Man befand sich in anno domini 1965/66.

Es war einmal ein Motorbootclub, der sich der „niedersächsische“ nannte. Er residierte fern von Seelze, das aber einige immerhin dem Namen nach kannten. Er befand sich an der Leine, unweit der deltafreien Mündung der Fösse, mit Sichtkontakt zur Herrenhäuser Wasserkunst. Hier schrieb man das Jahr 1966/67.

Der Motorbootclub, der „niedersächsische“, hatte einen Haken, d.h. sein Domizil. Man war auf der Leine gewissermaßen eingesperrt. Denn wollte man den Anschluss an die Weltmeere erreichen, so musste man eine Schleuse überwinden, die aber, Gott sei‘s geklagt, nicht regelmäßig besetzt war. Das verdross nun einige. Und einer von den Verdrossenen war Willi Klingenberg. Er und eine kleine Handvoll anderer hatten Wind bekommen von den Seelzer Freibadplänen. Wie wäre es, so überlegte man, wenn man das Gelände am Mittellandkanal pachten und dort einen Yachthafen errichten würde. Wohl verstanden, der Motorbootclub, der „niedersächsische“. Hier aber war Kurzsichtigkeit angesagt und nach mancherlei Reibereien war der Plan abgelehnt. Willi und die anderen aber ließ es nicht los. Sie wollten Boot fahren und nicht nur Kuchen essen. Schließlich stand für sie fest: Wir machen es auf eigene Faust. Gesagt, getan. Gespräche mit der Stadt Seelze schlossen sich an und dann war die Sache perfekt. Der Grundstein zu einem neuen Yachthafen war gelegt. Es waren zuerst nur ein paar Schwimmstege, die den wenigen Booten als Anleger dienten. Aber schon nach gar nicht langer Zeit meldeten sich weitere Interessenten für Liegeplätze, hatte sich doch schnell herumgesprochen, dass von Seelze aus die Welt offen stand.

Außerdem war mit der nebenan liegenden, damals sogenannten „Vogelpinte“, die Möglichkeit vorhanden, sich dem Trunke hinzugeben. So wurde der ursprünglich kleine intime Kreis sehr bald immer größer und damit auch die Flotte der Boote. Richtige solide Stege mussten gebaut werden. Aus einer kleinen Baracke der DLRG erwuchs die Keimzelle für ein Clubhaus. Und weiter wuchs die Zahl der Mitglieder. Kamen sie ursprünglich nach und nach vom Niedersächsischen Motorbootclub „nach oben“, so kamen jetzt mehr und mehr neue Wassersportler hinzu.

Die gesetzlichen Urlaube wurden immer länger, Freizeitgestaltung wurde philosophisch diskutiert, die Ansprüche stiegen. Wassersport war eine exklusive Freizeitbeschäftigung geworden. Und so wurden immer mehr Liegeplätze gefragt.

Willi Klingenberg kümmerte sich um weitere Uferstrecken, kaufte Grundstücke, pachtete Wasserflächen und erweiterte die Clubräume. Seinen Beruf hatte er längst an den Nagel gehängt. Aus der anfänglichen Nebenher-Beschäftigung war ein Fulltimejob geworden. Was am Ende dabei herausgekommen ist, sehen wir heute vor uns. Aber es hat immerhin 23 Jahre gebraucht.

Geschrieben im Juni 1989
Verfasser: Herr Kleinhans

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